Nackte Gedanken

 

Nackte Gedanken und Gefühle sind hilflos wie nackte Menschen.
Bekleide sie mit den Worten deiner Seele.

© Bea Anders

Tod

 

Tod

Das Leben wird geboren, um zu sterben
im Kreislauf seiner Zeit.
Es weiß nicht WANN
oft nicht einmal WIE
selbst WODURCH ist oftmals ungewiss.

Die Botschaft des Lebens ist der Tod!

Alt ist der Tod, so uralt wie das Leben.
Leben ist, werden und vergehen
bis die letzten Laute im Wind verwehen.
Auch wenn das Rad eines Lebens sich nicht mehr dreht
im Universum, ein neuer Keim Leben entsteht.
Das Leben geht weiter, weiter als EIN LEBEN geht.
Die Zeit geht weiter, weiter als EINE LEBENSZEIT.
Je weiter die Zeit geht, umso vielgestaltiger wird Leben wachsen.

Wachsen im Wald, als Eiche oder Buche
auf einer Frühlingswiese als Luzerne.
Wachsen im Schilf, am Seeufer
in den Meeren dieser Welt
wachsen als Gedanken in den Gehirnen jener
die mich lesen werden
wachsen, vergehen, auferstehen im ewigen Kreislauf
der Zeiten und der Leben.

Fressen und gefressen werden.
Lebenslänglich steht Leben auf dem Spiel.

Wenn Herbstlaub vom Himmel schneit
verflüchtigt sich’s Leben und Materie stirbt.
Schrittweise erlischt lebendiger Lebensstrom
legt Leben seine irdischen Hüllen ab.

Das Leben selbst, bestimmt den Tod
verfällt, zerfällt, erstarrt im Frost
zerfleischte Körper, pflastern Lebenspfade
aus sterbenden Mündern entweicht ein letzter Hauch.
Todsicher kommt der Tod
in jeder Sekunde, jahraus jahrein
und leise erfüllt die Stille der Ewigkeit den Raum.

Vollendet ist der Plan des Lebens, vergangen eine Lebenszeit.

© Bea Anders | Kapitel 7  aus “Die Schöpfung” anlässlich Ruhr 2010

Scham – die kleine Schwester der Schuld

 

Scham, die kleine Schwester der Schuld

 

Aufgeschreckt fast starr vor Schuld
erkennt die Scham in ihrer kindlichen Naivität an,
dass ihr Erdenkind so ist,
wie ihr Mitmensch sie sieht.
Verstummt, schleicht sie mit erröteten Wangen
nackt durch Myriaden von Körperzellen.
Kriecht in Millisekunden
von Pore zu Pore,
erobert für einen Hauch von Zeit,
immer und immer wieder,
den malträtierten Traumakörper.
Verzweifelt sucht ihr Blick Halt
in Mustern, bröckeliger Ritzen kantiger Erdrisse.
Unfähig sich fortzubewegen,
tritt sie auf der Stelle.
Immer wieder ertönt unüberhörbar dieser eine Satz,
in dunklen Katakomben menschlicher Unterwelten.
Ist er Zeitzeuge und Wegweiser,
für ein ganzes Leben Mensch.
In der Grabkammer eines einst lachenden,
unbeschwerten Kindes,
durchstreift sie im inneren Dialog
endlose Wüsten gewaltiger Wort Erinnerungen.
Glühend heiß brennt der Schmerz
unzähliger Wortfetzen unter ihren Fußsohlen.
Mit dem Fluss der Zeit
schreitet sie entlang grüner Inseln im Sandmeer,
wo zarte Seelenblumen Phantasien auslösende Düfte versprühen.
Seelenruhig erinnert sich das Erdenkind
in der Reifezeit seiner Jahre
an die eigene unsterbliche Essenz im Kern.
In den Sandstürmen der Wüste Erkenntnis
schluckt Staub das Licht der Düsternis,
verweht die Fata Morgana
irdischer Scham und Schuld.

© Bea Anders 18/10/2019