Das lyrische Ich

Bea Anders ist mein literarisches Sprachkleid.

Der Name entstand aus meinem Lebensmotto „Bitte Einmal Anders“. Er ist kein Versteck und kein Schutzschild. Unter diesem Namen darf eine Stimme sprechen, die manches anders sagt, als Beate Eierle es sagen würde.

Bea Anders ist nicht mein Gegenteil. Sie gehört zu mir, wie ein Echo aus einem anderen Resonanzraum, weil es mir eine Stimme verleiht, die näher am leisen Flüstern der Seele liegt. Das literarische ICH schreibt, weil es aus Gestaltungs- und Schöpferkraft schreiben muss.

Sie darf mit Worten spielen, Silben verschieben und Bedeutungen auf den Kopf stellen. Sie darf leise und zart sein, ungezähmt, ernst und eigensinnig. Sie schreibt über das Schwere, ohne die Schwere zum Mittelpunkt zu machen. Die Worte entstehen aus einem schöpferischen Raum, in dem aus erlebtem Menschsein etwas Neues wird.

Manches, was ich erlebt habe, findet sich in meinen Texten wieder. Aber Literatur ist kein Tatsachenbericht. Erlebtes darf sich verwandeln, verdichten, verkleiden und mit Fantasie verweben.

Vielleicht ist Bea Anders genau dafür entstanden: für Wahrheiten, die kein Protokoll brauchen.

Ich habe gelernt, das Unzeigbare zeigbar zu machen, ohne daran zu zerbrechen.

Und wer steckt im Sprachkleid?

Ein kölsches Kind, Jahrgang 1959, dem Rheinland treu geblieben und seit 1998 in Mülheim an der Ruhr zu Hause.

Früh gelernt, genau hinzusehen, zwischen den Zeilen zu hören und sich einen eigenen Reim auf die Welt zu machen.

bea anders silbengebilde
Bild: KI-Basis + HI

Frühe Wortspuren

Bücher gehörten früh zu meinem Leben. Dick Laan, Enid Blyton und Karl May öffneten mir Welten, in denen Abenteuer, Fantasie und ungewöhnliche Figuren zu Hause waren.

Später begegnete mir „Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna“ von Fynn, ein Buch über die großen und kleinen Fragen des Lebens, das mir bis heute geblieben ist.

Vielleicht hinterlassen die Bücher unserer Kindheit mehr in uns, als wir ahnen. Manche Geschichten enden mit der letzten Seite. Andere schreiben leise in uns weiter.