Angekommen mit den seelischen Nöten und Verwundungenim Gepäck,bezog ich den kleinen Raum meiner vorübergehenden Heilungsstätte. Nach genauer Betrachtung und Befragung meiner selbst entschloss ich mich die lange verschlossenen Tore meiner inneren Schutzbunker zu öffnen. Mit dem Glauben an eine heilere Zukunft ließ ich mich auf die neue Gestaltung meiner Innenräume ein. Befolgte Ratschläge und Empfehlungen und versuchte gewissenhaft neue Wege zu gehen. Stolperstein für Stolperstein räumte ich fort von meinen Wegen und baute mit ihnen einen Schutzwall für neue Verwundungen und Entfremdungen. Denn dort wo die Akzeptanz, der Respekt und die Menschlichkeit fehlte, provokant im vollen Bewusstsein neue seelische Verletzungen geschaffen wurden und die Eigendynamik ausartete, verfehlte jede Heiltherapie meiner Seele ihr Ziel. Schmerzerfüllt schaute ich mir das Schauspiel der Unglückseligen an die rücksichtslos die zarten Keimlinge meines Seelengartens verwüsteten und ich überlegte ob ich mir nicht besser einen Steingarten anlegen sollte. Während ich den stillen Überlebensbotschaften lauschte, erstarte meine Seele und ich spürte die eisige Kälte die meinen Seelenschmerz einfror. Ungeachtet der hartnäckigen Kälte hielt der Frühling Einzug und mit ihm verstreute ich die neue Saat für meinen Seelengarten. Mit Beharrlichkeit zeigten sich die ersten Sprösslinge und unaufhaltsam wurden sie sanft mit liebevoller Fürsorge gehegt. Und so verging die Zeit des Wachstums und aus den zartbesaiteten Keimlingen entwickelten sich die ersten feinen Knospen zwischen all den Stolpersteinen auf meinen Seelenwegen. Blüte für Blüte entfaltet sich im Kreislauf ihrer eigenen Wachstumszeit und ich genieße die Pracht und die Schönheit im stillen Wildblumengarten meiner Seelengefühle. Denn hier ist der Ort wo meine Blumen der Sehnsucht, der Liebe, der Kraft, des Verzeihens der Akzeptanz, der Menschlichkeit, des Mitgefühls, der Wertschätzung, der Freude,
aber auch
die Blumen der Trauer, des Schmerzes, der Enttäuschung, der Niedergeschlagenheit, der Seelennot, der Wut, der Missbilligung und der Kritik in all ihrer Farbenpracht erblühen. Und für jeden Tag meiner Zukunft werde ich einen neuen Blumenstrauß pflücken, um die Gestaltung meiner Innenräume dem zeitgemäßen Wandel meiner Selbst anzupassen. Und jetzt wo die Zeit gekommen ist, das ich den kleinen Raum meiner vorübergehenden Heilungsstätte wieder verlasse, schließen sich die großen Tore meines Seelengartens.
Und für euch die ihr hier mit mir zusammen auf meinen Seelenwegen spazieren gegangen seid, möchte ich einen Blumenstrauß binden mit den Blumen der Dankbarkeit, der Anerkennung und Erinnerungen.
© Bea Anders
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