Scham – die kleine Schwester der Schuld

 

Scham, die kleine Schwester der Schuld

 

Aufgeschreckt fast starr vor Schuld
erkennt die Scham in ihrer kindlichen Naivität an,
dass ihr Erdenkind so ist,
wie ihr Mitmensch sie sieht.
Verstummt, schleicht sie mit erröteten Wangen
nackt durch Myriaden von Körperzellen.
Kriecht in Millisekunden
von Pore zu Pore,
erobert für einen Hauch von Zeit,
immer und immer wieder,
den malträtierten Traumakörper.
Verzweifelt sucht ihr Blick Halt
in Mustern, bröckeliger Ritzen kantiger Erdrisse.
Unfähig sich fortzubewegen,
tritt sie auf der Stelle.
Immer wieder ertönt unüberhörbar dieser eine Satz,
in dunklen Katakomben menschlicher Unterwelten.
Ist er Zeitzeuge und Wegweiser,
für ein ganzes Leben Mensch.
In der Grabkammer eines einst lachenden,
unbeschwerten Kindes,
durchstreift sie im inneren Dialog
endlose Wüsten gewaltiger Wort Erinnerungen.
Glühend heiß brennt der Schmerz
unzähliger Wortfetzen unter ihren Fußsohlen.
Mit dem Fluss der Zeit
schreitet sie entlang grüner Inseln im Sandmeer,
wo zarte Seelenblumen Phantasien auslösende Düfte versprühen.
Seelenruhig erinnert sich das Erdenkind
in der Reifezeit seiner Jahre
an die eigene unsterbliche Essenz im Kern.
In den Sandstürmen der Wüste Erkenntnis
schluckt Staub das Licht der Düsternis,
verweht die Fata Morgana
irdischer Scham und Schuld.

© Bea Anders 18/10/2019


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Mama – Ich habe dich sterben lassen

 

Mama – Ich habe dich sterben lassen

 

Ich habe dich sterben lassen,
als ich ein kleines Mädchen war.
Verbannt in ein Land,
das Vergessen heißt.
Und ich blieb zurück.
Zurück in meiner Zurückgezogenheit,
denn mein Kummer tat viel zu weh.

Oft denke ich an dich.
Sehne mich nach deiner Liebe,
deiner Nähe, wie ein KIND.
Und ich weiß, wohin ich auch gehe,
Du wirst immer bei mir sein.
Das möchte ich dich nur mal
wissen lassen.

MAMA, ja ich vermisse dich, manchmal.
MAMA kannst du mich hören,
wenn ich weine,
um dich und mich,
kannst du mich hören,
wenn ich um UNS weine?

Unser Geist stirbt nie,
auch nicht im Land des Vergessen,
denn unsere Geister leben ewig.
Ich habe dich mit Tränen verlassen,
und einem Schmerz der tief in mir brennt,
wie ein Feuer, das alles verschlingt.

MAMA, ja ich vermisse dich, manchmal.
MAMA kannst du mich hören,
wenn ich weine,
um dich und mich,
kannst du mich hören,
wenn ich um UNS weine?

Oft denke ich an dich,
sehne mich nach deiner Liebe,
deiner Nähe, wie ein KIND.
Und ich weiß, wohin ich auch gehe,
Du wirst immer bei mir sein.
Das möchte ich dich nur mal
wissen lassen.

© Bea Anders 13/11/2010


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Vergänglichkeit

 

Vergänglichkeit

 

Gar manche bunte Vielfalt
haben all die Jahre gesehn

Wen wundert es
das Worte
still bei den Erinnerungen stehn

So malt die Zeit ihr eigenes Bild
skizziert in allen Farben
Lebenseindrücke und Narben

Gerichtet ist das Augenmerk
aufs Lebens Wunderwerk
und bei all den vielen Facetten
die Herz und Geist berühren
gar manche Tränen
uns laut und leise entführen

Vergänglich ist das Leben
die Bilder dieser Zeit
doch eins wird uns gegeben
das währt bis in alle Ewigkeit

Und wir verstehn
die Liebe in uns
kann zu jeder Zeit bestehn

© Bea Anders


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Stille

 

Stille

 

Ich flehe um Stille,
in dieser lauten Welt,
immer und immer wieder,
um mich inwendig zu hören.
Die Stimmen in mir werden lauter,
ihre Botschaft ist eindeutig,
der Widerhall in jeder Zellmembran spürbar.
Unüberhörbar das Weinen meines inneren Kindes,
suche ich Trost in den Armen von Mutter Natur.
Still umarmt sie mich liebevoll,
wohlwissend um meinen Schmerz.
Beruhigend ihr leises Rascheln der Blätter im Spiel des Windes.
Tröstende Worte einer kleinen Blaumeise,
die hüpfend von Ast zu Ast meine Aufmerksamkeit erhascht.
Ein kleiner Sonnenstrahl durchbricht das Grau in Grau,
hier und da himmelblau zwischen schwebenden Wolkenkissen.
Unübersehbar erkenne ich die artgerechte Ausdrucksweise,
spüre das Geschenk dieser wundersamen Schöpfung,
dessen Teil ich bin.
Still wird es in mir,
endlich still.

16.01.2019
© Bea Anders


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